Neue österreichische Online-Glücksspielreformen erhöhen den AML-Druck
28 Oktober 2026
Die jüngsten Reformen der österreichischen Regierung für Online-Glücksspiel haben die Geldwäschebekämpfungspflichten (AML) für Betreiber in diesem Sektor verschärft, obwohl es kein separates „AML-Entwurfsregelwerk“ gibt. Die geplanten Änderungen, zu denen Einzahlungsobergrenzen, Sperrregister und Zahlungsblockaden gehören, kommen zu den bestehenden AML-Anforderungen hinzu und lassen Betreiber befürchten, dass Spielertransaktionen möglicherweise verzögert werden könnten.
Das österreichische Bundesministerium für Finanzen hat ehrgeizige Reformen für den heimischen Online-Glücksspielmarkt vorgelegt. Falls umgesetzt, wäre dies die bedeutendste Neuordnung des Sportwetten- und Online-Casino-Sektors seit 25 Jahren, womit Österreich sich anderen EU-Ländern anschließt, die ihre Regularien bereits modernisiert haben.
„Diese Reformen stellen Betreiber vor viele neue Anforderungen. Die Einzahlungslimit-Register und Zahlungsblockaden werden die AML-Prüfungen für Spieler besonders stark erhöhen“, sagte Hagen Albers, Geschäftsführer von i-novum, einem deutschen Betreiber, der im österreichischen Markt aktiv ist.
„Das wird unweigerlich mehr Bürokratie und Identitätsüberprüfungen bedeuten – und wahrscheinlich Verzögerungen für Spieler.“
Während sich die Reformen stark auf Spielerschutz und verlangsamte Transaktionen konzentrieren, bereiten sich Betreiber auf die zusätzliche Compliance-Last und mögliche neue Anforderungen an die Transaktionsüberwachung vor.
Strenge Spielerschutzmaßnahmen
Die auffälligsten Änderungen sind die eingeführten Einzahlungsobergrenzen. „Wir haben in Ländern wie Spanien gesehen, wo 2021 nationale Einzahlungslimits eingeführt wurden, dass sie dabei helfen, Spieler zu identifizieren, die zwischen Anbietern wechseln, um weiter einzuzahlen. Ich denke, Österreich wird eine ähnliche Veränderung im Spielerverhalten beobachten“, erklärte Jan Kramer, Leiter Compliance beim Betreiber Springbok Casino, der mehrere EU-Märkte bedient.
Nach diesem Rahmen wären Spieler unter 26 auf ein wöchentliches Einzahlungslimit von 250 € und monatliche Limits von 1.000 € beschränkt. Für Spieler ab 26 Jahren könnte ein höheres individuelles Limit gewährt werden, wenn der Spieler keine Anzeichen von Problemspielen zeigt.
„Ich denke, der Vorschlag ist tatsächlich recht ausgewogen. Da der Finanzminister bis 2028 Bilanz ziehen soll, sollten wir bald aussagekräftige Beweise dafür sehen, dass diese Limits helfen, problematisches Spielverhalten einzudämmen“, fügte Kramer hinzu.
Der Reformentwurf enthält zudem weitere Spielerschutzmaßnahmen:
- Ein zentrales Sperrregister für Problemspieler
- Verpflichtendes Verhaltensmonitoring für alle Spieler
- Mindestzeiten für „Cooling-off“-Perioden
- Maximaler Einsatz von 5 € pro Slot-Drehung
Verschärfte AML-Regelungen
Die vorgeschlagenen Änderungen stellen neue Anforderungen an den Spielerschutz der Betreiber sowie ihr AML-System.
Kramer weist darauf hin, dass die Sperr- und Einzahlungslimit-Register – die durch die Reformen verpflichtend werden – „nur funktionieren, wenn sie effektiv durchgesetzt werden. Das bedeutet eine stärkere Betonung der Kundenprüfungen (Due Diligence), um sicherzustellen, dass die Verifizierung gleich zu Beginn der Kundenbeziehung korrekt durchgeführt wird. Ein schneller Anmeldeprozess ist damit nicht mehr wirklich machbar.“
Er betont auch, dass Einzahlungslimits den Bedarf an Transaktionsüberwachung erhöhen. „Wenn ein Limit festgelegt ist, könnten Spieler versuchen, knapp darüber einzuzahlen, damit es zurückgewiesen wird. Solche Versuche sollten vom Compliance-Team auf jeden Fall untersucht werden“, sagt er.
Hagen Albers stimmt dem zu, weist aber auch darauf hin, dass die AML-Prüfungen mit den globalen Systemen der Betreiber verknüpft sein müssen. „Man kann kein EU-weites AML-System haben, das verifizierte Spieler von einem Land zum nächsten nicht konsistent erkennt. Daher erwarte ich, dass die ersten Umsetzungen noch angepasst werden, langfristig sollten wir jedoch einen viel reibungsloseren Austausch zwischen EU-Betreibern sehen.“
Sowohl Kramer als auch Albers hoffen, dass zusätzliche Schutzmechanismen verhindern, dass Betreiber übermäßige Prüfungen und Verifizierungen einführen müssen. „Es ist immer möglich, dass der Regulator bei der Auslegung der Regeln übereifrig wird. Aber wir sollten ihnen wirklich den Vorteil des Zweifels lassen. Wenn sie AML so stark reglementieren, wie es die öffentlichen Aussagen vermuten lassen, könnte das Problem noch viel schlimmer sein, wenn sie keine wesentlichen Änderungen an der Online-Glücksspiel-Landschaft vornehmen würden“, sagt Kramer.
Nächste Schritte
Trotz der Vorfreude auf die Reform muss der Entwurf noch das Parlament durchlaufen, bevor er in Kraft tritt. Und selbst nach der Verabschiedung bleibt noch Arbeit zu erledigen. „Es gibt noch viele technische Details zu klären. Betreiber werden jedes Wort des Gesetzes analysieren, um seine Auswirkungen auf ihre Systeme zu verstehen“, kommentiert Kramer.
Der Gesetzesentwurf wurde am 14. September 2023 dem Finanzausschuss zugewiesen, doch die Beratungen haben noch nicht begonnen, weil seit dem 4. August eine dreimonatige „Stillhaltefrist“ der Europäischen Kommission gilt.
Falls alles nach Plan verläuft, wird Österreich seinen Online-Glücksspielmarkt voraussichtlich im Oktober 2024 öffnen – mit einem streng überwachten Mehrlizenz-System. Albers erwartet, dass „mindestens 20 Unternehmen sich um Lizenzen bewerben würden.“
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